Das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider
02.11.2023

Warum Sale-and-Rent-Back für die Logistikbranche attraktiv ist

Die Immobilie verkaufen, direkt im Anschluss zurückmieten und so die Liquidität erhöhen: Das bietet das Sale-and-Rent-Back-Finanzierungsmodell. Worauf man achten sollte, um die Vorteile voll ausschöpfen zu können, darüber schreibt Manfred Haas von Dr. Lübke & Kelber in einem Ramp One-Gastbeitrag.
©: iStock
Ein Ramp One-Gastbeitrag von Manfred Haas, Head of Industrial Transaction bei der Dr. Lübke & Kelber GmbH, einem Beratungsunternehmen für Immobilientransaktionen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main.
Foto: iStock

Eine Immobilie verkaufen, direkt im Anschluss zurückmieten und so die Liquidität erhöhen: Das bietet Sale-and-Rent-Back, ein Finanzierungsmodell, das gerade in Krisenzeiten beliebt ist. Doch auch unabhängig von der wirtschaftlichen Lage hat diese Strategie viele Vorteile. Gerade für mittelständische, inhabergeführte Unternehmen, die traditionellerweise selbst Eigentümer der genutzten Immobilien sind, ist eine Rückmiete interessant. Worauf sollten sie achten, um die Vorteile voll ausschöpfen zu können?

Zahlreiche Logistiker litten in der Corona-Zeit unter Umsatzeinbußen. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben viele Unternehmen die Scheu verloren, sich von ihrem „Tafelsilber“ – den Immobilien – zu trennen und sich für ein Sale-and-Rent-Back entschieden, also den Verkauf der genutzten Immobilie und deren Anmietung direkt im Anschluss. So konnten sie sich mehr finanziellen Spielraum verschaffen.

Gastbeitrag

von Manfred Haas, Head of Industrial Transaction, Dr. Lübke & Kelber GmbH

Die Laufzeit eines Sale-and-Rent-back-Vertrags beträgt in der Regel zwischen zehn und zwanzig Jahren. Der Vertrag sollte so gestaltet werden, dass der Mieter einseitige Optionen hat. So kann er die Möglichkeit erhalten, den Standort jederzeit ganz oder teilweise aufgeben – ohne negative Folgen für ihn. Auch Verlängerungs- und Rückkaufoptionen können Teil der Vereinbarung sein.

Finanzmittel für Digitalisierung

Aktuell führen die schlechten Konjunkturaussichten und die hohen Finanzierungskosten zu einer verstärkten Veräußerung von Immobilien in Form von Sale-and-Rent-back-Transaktionen. Schließlich legen die Banken bei der Kreditvergabe strengere Maßstäbe an. Die Unternehmen müssen oft andere Wege suchen, um an Liquidität zu gelangen. Das gilt umso mehr, als die Logistikbranche unter einem Digitalisierungsdefizit leidet und unter hohem Transformationsdruck steht. Viele Unternehmen planen inzwischen, ihre Technologiebudgets zu erhöhen, um mit digitalen Tools ihre Prozesse effizienter und resilienter zu gestalten und die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz zu nutzen – Stichwort Industrie 4.0. Auch die „Smartifizierung“ von Immobilien durch die digitale Steuerung des Verbrauchs von Strom, Licht, Wasser oder Wärme und weitere ESG-Vorgaben verursachen Investitionskosten. Gleichzeitig sind Logistikimmobilien nach wie vor begehrt und zählen nach Einschätzung nahezu aller Marktstudien zu den Favoriten von Investoren und Projektentwicklern.

Die Rückmiete verspricht eine Win-win-Situation: Durch die direkte Vermietung und die Bindung des Mieters an die Immobilie profitiert der Investor vom sofortigen Kapitalrückfluss. Auch ist für ihn das Leerstandsrisiko gering, denn Logistikhallen sind auf dem Markt sehr gefragt. Der Verkäufer wiederum erhöht seine Liquidität und kann seinen Betrieb am selben Standort unverändert weiterführen.

Instandhaltungspflicht klar bestimmen

Dennoch zögern viele Eigentümer, ihre Immobilie zu verkaufen. Einer der Hauptgründe dafür: Sie befürchten, dass notwendige Instandhaltungsmaßnahmen nicht sofort umgesetzt werden können, da sie diese mit dem neuen Eigentümer abstimmen müssen. Um diese schnell und zielgerichtet durchführen zu können, bieten sich bei der Rückmiete Double-Net- oder Triple-Net-Verträge an. Beim Double-Net-Vertrag übernimmt der Mieter neben den Mietkosten auch die Versicherungs- und Betriebskosten. Er kommt vor allem bei neueren Objekten zum Einsatz und regelt die Instandhaltungspflicht – bis auf Dach und Fach – für den Mieter. Triple-Net-Verträge werden in der Regel für ältere Objekte abgeschlossen. Hierbei ist der Mieter für die Instandhaltung der gesamten Immobilie verantwortlich. Die monatliche Miete reduziert sich entsprechend.

Wichtig ist, die Instandhaltungspflicht im Mietvertrag klar zu definieren. So lassen sich Streitigkeiten nach Vertragsende vermeiden, wenn der Zustand der Immobilie begutachtet wird. Stellt der Sachverständige Mängel fest, kann das zu hohen Forderungen an den Mieter führen. Beide Parteien sollten sich daher über die Details der Instandhaltungspflicht einig sein und diese im Vertrag festhalten.

Sale-and-Rent-Back-Geschäfte können den Weg für Modernisierungen ebnen. Logistikhallen eignen sich besonders gut für Photovoltaikanlagen, da sie in der Regel großflächig und wenig verschattet sind. Häufig scheitert ihre Installation jedoch an den Kosten für die notwendige Verstärkung des Hallendachs. Übernimmt der neue Eigentümer diese Aufgabe, kann er den Solarstrom als gewerblichen Mieterstrom an den Gebäudenutzer verkaufen, der damit seine Energiekosten senkt.

Krisenunabhängigkeit von Vorteil

Bei intelligenter Gestaltung bietet die Rückmiete dem mittelständischen Logistiker eine Vielzahl von Vorteilen. Er gewinnt finanziellen Spielraum und kann die Miete als Betriebsausgabe absetzen. Zudem verbessert eine Rückmiet-Transaktion die Bilanz: Durch den Verkauf von Anlagevermögen verkürzt sich die Bilanzsumme und die Eigenkapitalquote verbessert sich. Das wiederum erhöht die Bonität des Unternehmens. Angesichts dessen erkennen immer mehr Immobilieneigentümer, dass der Wechsel vom Eigentümer zum Mieter für sie auch außerhalb von Krisensituationen attraktiv ist.

ANZEIGE

„In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben viele Unternehmen die Scheu verloren, sich von ihren ‚Kronjuwelen‘ – den Immobilien – zu trennen und sich für ein Sale-and-Rent-Back entschieden.“

Manfred Haas

Lesen Sie auch

Deutscher Brownfield Verband stellt Agenda für 2026 vor

Deutscher Brownfield Verband stellt Agenda für 2026 vor

Mehr als 120 Teilnehmende haben an der sechsten Jahreshauptversammlung des DEBV teilgenommen. Im Mittelpunkt standen Vernetzung, Wissensaustausch und die nachhaltige Entwicklung bereits genutzter Flächen. Eine Power-Hour sorgte für Impulse aus der Praxis.

Das neueste

Webtalk: On the Road to Expo Real

Webtalk: On the Road to Expo Real

Am 1. Oktober war Ramp One, das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider, live auf Sendung. Fein portioniert diskutierten Branchenexperten im Vorfeld der Messe Expo Real Themen, die die Branche bewegen: das neue ESG-Label der Initiative Logistikimmobilien, die Logix-Studie zur kommunalen Wärmeplanung, den in diesem Jahr wieder ausgelobten Logix Award sowie das exklusive Interview mit Jan Dietrich Hempel im DVZ-Themenheft Logistikimmobilien.

WEITERLESEN

Beliebt bei unseren Lesern

Deutschland und seine Logistikregionen

Newsletter abonnieren!

Der kostenlose Newsletter für erstklassige Informationen aus der Welt der Logistikimmobilien.

Aus unseren Rubriken

Garbe Industrial strukturiert Geschäftsführung neu

Arbeitet noch bis Jahresende 2026 vollumfänglich in der Geschäftsführung, dann wird er das Unternehmen verlassen: Jan Dietrich Hempel trat 2009 ins Unternehmen ein, wurde 2011 zum Vorstand der Garbe Logistic AG berufen und ist seit Mai 2016 Geschäftsführer bei Garbe Industrial.

Garbe Industrial stellt sein Führungsteam neu auf. Mit der Reorganisation reagiert das Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen und will sich stärker an den Anforderungen seiner Kunden ausrichten. Jan Dietrich Hempel verlässt das Unternehmen zum Jahresende.

DKB ergänzt Partnernetzwerk von Bulwiengesa

Bulwiengesa baut das Partnernetzwerk für seinen Development Monitor aus. Neben dem bereits beteiligten BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e. V. unterstützt nun auch die Deutsche Kreditbank die Analyse-Plattform.

Bauwo vermietet an „Müller – Die lila Logistik“

Der Logistikpark befindet sich im Industrie- und Gewerbegebiet Dombühl-Süd mit Anschluss an die Autobahnen 6 und 7.

Bauwo hat zwei der drei Bauteile seines im Bau befindlichen Logistikparks Dombühl vermietet. Das Unternehmen „Müller – Die lila Logistik“ sichert sich in der Build-to-Suit-Immobilie rund 52.000 Quadratmeter Nutzfläche. JLL hat den Vermieter beraten und den Abschluss vermittelt.

LIP Invest erwirbt Logistikimmobilie in Thiendorf

Der KEP-Dienstleister Hermes Germany betreibt die Immobilie in Thiendorf als regionales Depot.

LIP Invest hat in Thiendorf bei Dresden eine Logistikimmobilie für den von Intreal verwalteten „LIP Real Estate Investment Fund – Logistics Real Estate V“ erworben. Der Ankauf erfolgte im Zuge eines Off-Market-Deals vom Bremer Projektentwickler und Investor Peper & Söhne.