Garbe Industrial hat untersucht, welche europäischen Regionen vom wachsenden Bedarf an Militärlogistik profitieren könnten. Demnach erfüllen Städte in Belgien und den Niederlanden besonders günstige Voraussetzungen. In Deutschland schneiden vor allem Teile Nordwestdeutschlands bei den relevanten Kriterien überdurchschnittlich ab.
Grundsätzlich lässt sich laut Garbe Industrial die Immobiliennachfrage im Verteidigungsbereich in zwei Cluster unterteilen: den mobilitätsgetriebenen Bedarf der Militärlogistik sowie den fertigungsbedingten Bedarf. Beide folgen unterschiedlichen räumlichen Mustern.
Obwohl es Überschneidungen mit dem allgemeinen Industrie- und Logistikmarkt gibt, liegen die Schwerpunkte im Verteidigungsbereich bei anderen Kriterien: Sicherheit, Nähe, Verkehrsanbindung, Flexibilität, Widerstandsfähigkeit und leistungsfähige Infrastrukturnetze stehen im Vordergrund. Der zusätzliche Flächenbedarf dürfte sich daher vor allem an Standorten konzentrieren, die in der Nähe wichtiger europäischer Importpunkte und Infrastrukturkorridore mit multimodaler Anbindung liegen.

Artikel
von Tim-Oliver Frische
Score bewertet Standorte auf Gemeindeebene
Um die für Industrie- und Logistikimmobilien relevanten militärischen Korridore zu identifizieren, hat das Research-Team von Garbe Industrial fünf gewichtete Kenngrößen herangezogen. Diese verknüpfen operative, infrastrukturelle, regulatorische und entwicklungstechnische Faktoren: Nähe zum transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V), multimodale Verkehrsanbindung, Autobahnanbindung, Geländeeignung sowie die Effizienz grenzüberschreitender Zollprozesse. Daraus wurde der Defence Logistics Affinity Score (Defence LOFIN) abgeleitet, der die Attraktivität von Logistikstandorten auf Gemeindeebene für militärlogistische Nutzungen abbildet.
Das Ergebnis zeigt eine deutliche räumliche Konzentration: Nur 6 Prozent der Gesamtfläche der 25 untersuchten europäischen Länder erreichen einen LOFIN-Wert von mehr als 5 Punkten (Maximalwert: 7). Die Niederlande und Belgien liegen dabei mit rund zwei Dritteln ihrer Landesfläche über diesem Schwellenwert. Deutschland erreicht 22 Prozent, Italien 11 Prozent. Damit sind sie die einzigen der fünf größten europäischen Logistikmärkte mit einem zweistelligen Anteilswert.
Als zentraler Knotenpunkt für den Güterverkehr nach und in Europa erzielen die Benelux-Märkte bei allen fünf Parametern hohe Werte. Die Regionen erreichen LOFIN-Werte von durchgängig mehr als 6,7 Punkten.
Seehäfen entlang der Nordseeküste im Fokus
Die Analyse unterstreicht darüber hinaus die Bedeutung der Seehäfen zwischen Hamburg und Le Havre sowie weiterer strategisch wichtiger Hafenstandorte. Rotterdam und Antwerpen einschließlich ihres unmittelbaren Hinterlandes belegen die vorderen Ränge. Weitere Häfen wie Hamburg, Bremerhaven, Le Havre und Calais erreichen LOFIN-Werte von mehr als 6 Punkten.
In Deutschland zählen Karlsruhe/Mannheim, Duisburg und Hamburg mit einem LOFIN-Wert von jeweils 6,6 sowie Hannover mit 6,4 Punkten zu den am besten bewerteten Standorten. Alle vier Standorte bündeln multimodale Anbindung und leistungsfähige Infrastrukturkorridore.
Karlsruhe/Mannheim profitiert dabei besonders von seiner Lage an einem zentralen europäischen TEN-V-Korridor sowie seiner Funktion als West-Ost- und Nord-Süd-Drehscheibe zwischen den Benelux- und Nordseehäfen, Süddeutschland und Frankreich.
Das Whitepaper kann über folgende URL kostenlos heruntergeladen werden:
www.garbe-industrial.de/wp-content/uploads/2026/07/Defence_Whitepaper_de.pdf
„Strategische Investments und Projektentwicklungen sollten sich vor allem auf Standorte entlang der hoch bewerteten Korridore konzentrieren. Die Kombination aus multimodaler Verkehrsanbindung, Autobahnzugang sowie der Nähe zu Seehäfen und weiteren Zugangspunkten bietet die besten Chancen, von der künftig entstehenden Nachfrage zu profitieren.“
Tobias Kassner
Head of Research bei Garbe Industrial

















