
Artikel
von Tim-Oliver Frische
„Chinesische Unternehmen werden in immer mehr europäischen Märkten zu einem eigenständigen Treiber der Flächennachfrage“, sagt Tobias Kassner, Head of Research und Mitglied der Geschäftsleitung bei Garbe Industrial. „Dahinter steht ein grundlegender Strukturwandel in den E-Commerce-Lieferketten. Statt Waren überwiegend per Luftfracht oder im Direktversand nach Europa zu bringen, bauen viele Unternehmen heute eigene Bestände und Logistikstrukturen in Europa auf. Der frühere ,Paketabwurf‘ über einzelne Umschlagpunkte weicht damit einer stärker regionalisierten Bestandshaltung.“
Die zusätzliche Nachfrage geht nach Angaben von Garbe Industrial inzwischen über den E-Commerce hinaus. In einzelnen Märkten stehen auch Batteriespeicher sowie die Ansiedlung von Produktionskapazitäten und der Aufbau lokaler Lieferketten für Elektrofahrzeuge und Halbleiter im Mittelpunkt.
Für die E-Commerce-Distribution nach Deutschland und in weitere europäische Märkte ist insbesondere die Logistikachse von Rotterdam über Duisburg bis nach Nordrhein-Westfalen von Bedeutung. In den Niederlanden begünstigen die Hafenstandorte zudem Projekte im Umfeld von Lithium und Batteriespeichern. In Großbritannien treten Batteriespeicher, Produktionsverlagerungen und der Aufbau lokaler Lieferketten in einzelnen Anfragen als zusätzliche Nachfragefaktoren auf. Eine marktweite Entwicklung lässt sich daraus derzeit nicht ableiten.
Auch der Verteidigungssektor entwickelt sich zu einem weiteren Nachfragetreiber. Die langfristig angelegten Investitionsprogramme dürften den Bedarf an Logistikflächen jedoch erst in den kommenden Jahren erhöhen. Ein Teil dieser Nachfrage bleibt aufgrund von Geheimhaltungsanforderungen oder der Zuordnung zu anderen Wirtschaftszweigen statistisch unberücksichtigt.
Spitzenmieten bleiben weitgehend stabil
Die Entwicklung der Spitzenmieten weist auf eine weitere Stabilisierung der europäischen Logistikimmobilienmärkte hin. Im 1. Halbjahr 2026 blieben die Mieten in 79 der 122 untersuchten Regionen unverändert. In 14 Regionen gingen sie zurück, während 29 Regionen leichte Zuwächse verzeichneten.
Bei den Nettoanfangsrenditen setzte sich dagegen ein anderer Trend durch. Erstmals seit mehreren Zeiträumen überwogen im 1. Halbjahr 2026 wieder steigende Renditen. In 62 der 122 untersuchten Regionen kam es zu einer leichten Dekompression. In 51 Regionen blieben die Renditen stabil, in 9 Regionen gingen sie weiter zurück.
Die Kombination aus Mietwachstum und Renditeentwicklung fällt laut Garbe im 1. Halbjahr 2026 insbesondere in Spanien und ausgewählten britischen Sekundärmärkten günstig aus.
Die neue Fassung der interaktiven Garbe Pyramid Map ist ab dem 1. September 2026 auf der Website von Garbe abrufbar.
„Chinesische Unternehmen werden in immer mehr europäischen Märkten zu einem eigenständigen Treiber der Flächennachfrage.“
Tobias Kassner
Head of Research und Mitglied der Geschäftsleitung bei Garbe Industrial


















