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Das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider
Auf der Suche nach dem Goldstaub
Ob citynahe Flächen das neue Gold der Logistik sind, war nur ein Thema des Ramp One-Events in Hamburg. Mehr als 20 Speaker und rund 170 Teilnehmer trafen sich an der Rampe – und einige „enterten“ sogar die Bühne.
©: Dierk Kruse
Wo gibt es Flächen? Das fragte Moderator Tim-Oliver Frische (li.) Barbara Riewe, die im GVZ JWP bei Michael Moehlmann (Mitte) fündig geworden ist. Steffen Kammradt und Peter Bergmann warben für das GVZ Frankfurt (Oder).
Foto: Dierk Kruse
Flächenknappheit und Fachkräftemangel – zwei Themen, von denen man meinen könnte, sie seien bereits zur Gänze ausdiskutiert worden, bildeten den roten Faden des Ramp One-Events für Logistikimmobilien-Entscheider. Dabei ging es allerdings weniger um die Feststellung, dass beide Aspekte nach wie vor eine große Herausforderung darstellen, als vielmehr darum, wie man ihnen erfolgreich begegnet – oder in den Worten von Keynote-Speaker Stephan Dalbeck: „Die Probleme sind zwar nicht wirklich neu, aber gelöst sind sie noch lange nicht.“ Rund 170 Teilnehmer zählte die Veranstaltung in den Design Offices in Hamburg-Hammerbrook.

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von Ingo Neuling

So forderte der Managing Director von Colliers International Deutschland deutlich mehr Engagement, um das Ansehen der Logistik beim Nachwuchs zu steigern. „Wenn wir junge Menschen für Logistik begeistern wollen, muss definitiv mehr kommen“, betonte Dalbeck und verwies unter anderem auf die Bedeutung des Well-Being-Ansatzes, um das Arbeitsumfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. „Der urbane Lifestyle muss auch in den B- und C-Lagen zu spüren sein.“ Höhere Mietkosten für attraktive Räumlichkeiten seien nicht das Problem. Wer sich außerhalb der Ballungszentren ansiedele, habe vor allem mit erhöhten Transportkosten zu kämpfen.

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„Wir brauchen einen gemeinsamen Konsens, um einheitliche ESG-Standards zu schaffen.“

Kuno Neumeier

Logivest Gruppe

„B ist das neue A“

Apropos B- und C-Lagen. Dass diese Klassifizierung schnell obsolet werden kann, zeigen Beispiele aus Wilhelmshaven und der Region Berlin/Brandenburg. „B ist das neue A“, sagte Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg. Nicht erst seit der Tesla-Ansiedlung in Grünheide erfahre die Region einen wahren Nachfrageboom. „Die Strecke Berlin–Frankfurt/Oder lässt sich mit der Bahn in unter einer Stunde schaffen. Wäre Berlin Shanghai, dann lägen alle Flächen auf dieser Achse definitiv in A-Lagen.“

Michael Moehlmann, Vertriebsleiter des Güterverkehrszentrums (GVZ) Jade-Weser-Port, weiß Ähnliches zu berichten: „Wilhelmshaven war lange Zeit kaum im Blickfeld von Logistikern. Doch spätestens seit es bei den großen Seehäfen stockt, ist das Interesse an Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen erheblich gewachsen.“ Die bestehenden Flächen im GVZ seien entweder vergeben oder bereits optioniert.

Warum der Jade-Weser-Port derzeit so gefragt ist, erläuterte Barbara Riewe, geschäftsführende Gesellschafterin von Europa-Center Logistikimmobilien Projekte: „Wilhelmshaven haben wir als perspektivischen Standort identifiziert. An Fachkräften herrscht dort kein nennenswerter Mangel, der Hafen ist ein Endpunkt der neuen Seidenstraße, ihn laufen alle großen Reedereiallianzen an und es gab kaum Einschränkungen beim Bau.“ Außerdem kann der Tiefwasserhafen mit einem Pfund wuchern, den kaum ein Hafen mehr bieten kann: Sowohl die Kaje als auch das GVZ sind erweiterbar. Riewe: „Wir waren auf der Suche nach Goldstaub, in Wilhelmshaven haben wir ihn gefunden.“

„Wenn wir junge Menschen für Logistik begeistern wollen, muss definitiv mehr kommen.“

Stephan Dalbeck

Managing Director, Colliers International Deutschland

Thema „letzte Meile“

Es gibt sie also noch, die freien Flächen. Aber eben nicht überall. Die Flächenknappheit in citynahen und vor allem in urbanen Lagen ist gekommen, um zu bleiben. In Vertretung für die erkrankte Janine Zimmermann, Head of Logistics bei Drees & Sommer, verwies Moderator Tim-Oliver Frische auf die im Oktober 2021 veröffentlichte Logix-Publikation „Logistik auf der letzten Meile – Real-Labor Stadt“. Sie gibt Kommunen einen Handlungsleitfaden zum Umgang mit der letzten Meile an die Hand. Denn Fakt ist, dass Logistikimmobilien bei Gemeindevertretern nicht das allerhöchste Ansehen genießen. Fakt ist aber auch, dass eine funktionierende Logistik auf der letzten Meile unabdingbar ist, wenn Bürgerinnen und Bürger in den Genuss logistischer Dienstleistungen beispielsweise für E-Commerce-Sendungen kommen sollen.

Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), bestätigte, dass Kommunen auf die steigenden Bedarfe gerade mit Blick auf die letzte Meile reagieren müssen. Dabei herrsche allerdings Flächenkonkurrenz zwischen Wohnen, Gewerbe, Logistik sowie Grünanlagen und Flächenentsiegelung im Sinne einer besseren Aufenthaltsqualität. Hier sei auch die Logistikbranche gefordert, gemeinsam mit den Kommunen neue, ganzheitliche Ideen zu entwickeln und „aus dem Silodenken herauszukommen“. Denkbar sei für Handschuh zum Beispiel die Abkehr von einseitigen Prioritätensetzungen hin zu einem Nutzungsmix neuer oder bestehender Gebäude: „Das kann ein neuer Ansatz sein – ebenso wie temporäre Zwischennutzungen.“

„Wir waren auf der Suche nach Goldstaub, in Wilhelmshaven haben wir ihn gefunden.“

Barbara Riewe

geschäftsführende Gesellschafterin von Europa-Center Logistikimmobilien Projekte

Nachhaltigkeit „messbar“ machen

Das Thema Nachhaltigkeit ist ein Megatrend. Aber was bedeutet Nachhaltigkeit genau und wie misst man sie? Die EU-Taxonomie-Verordnung und die von der UN definierten Standards für nachhaltige Investments (ESG-Kriterien) seien zwar sinnvoll und grundsätzlich gut, doch es fehlen noch konkrete Vorgaben, sagte Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe. „Wir brauchen einen gemeinsamen Konsens, um einheitliche Standards zu schaffen und somit auch eine Messbarkeit und Vergleichbarkeit zu ermöglichen.“ Hier sieht er die Politik in der Pflicht. „Sie muss aus diesem Flickenteppich einheitliche Vorgaben formulieren, um ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit für Logistikimmobilien festzulegen.“ Zudem läge das Thema ESG bei den Kommunen noch unterhalb des Radars. In den Gesprächen ginge es zuvorderst um Arbeitsplätze, Verkehrskonzepte und Gewerbesteuereinnahmen.

Mit wie viel Leidenschaft alle Beteiligten bei der Sache waren, zeigte sich nach über sechs Stunden ausgefülltem Programm: Statt sich zu verabschieden, enterten einige von ihnen die Bühne, nahmen Moderator Tim-Oliver Frische in Beschlag und eröffneten kurzerhand einen weiteren Talk an der Rampe über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs. Tenor: Trotz Preissteigerungen, Lieferengpässen und hoher Inflation fühle sich die Branche „noch nicht beunruhigt“. Fortsetzung folgt. Im nächsten Jahr. In Hamburg.

„Können Sie bitte darauf hinweisen, dass wir spannende Praktikumsplätze anbieten?“

Mehrere Teilnehmer …

zum Ramp One-Moderator

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