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05.04.2023

Wie Lagerlogistik nachhaltig (und) zukunftsfähig bleibt

Will die Lagerlogistik zukunftsfähig bleiben, lohnt es sich eine strategische Trias zu verfolgen: Energieverbrauch senken, nachhaltiger bauen, Abläufe optimieren. Wie das gelingen kann, erläutert Mark Vogt von Körber Supply Chain Automation.
©: Körber Supply Chain Automation
„Nicht jedes Distributionszentrum muss von der Laderampe bis zum Warenausgang vollautomatisiert werden. Ein nachhaltiges Lagersystem kann jedoch nur erzielt werden, indem vor allem arbeitsintensive Aufgaben automatisiert werden“, schreibt Mark Vogt von Körber Supply Chain Automation.
Foto: Körber Supply Chain Automation

Nachhaltigkeit in der Logistik ist kein Trend, sondern Notwendigkeit. Bereits vor dem Beginn der Lieferketten- und Energiekrise stieg der ökologische und politische Druck. In den letzten Monaten ist aber umso deutlicher geworden: wirtschaftlich zu handeln heißt, seine eigenen Nachhaltigkeitspraktiken zu überdenken. Nicht zuletzt, weil diese immer stärker in die Entscheidung von Verbrauchern, Unternehmenspartnern und Investoren einfließen. Wer nicht auf diese Entwicklung reagiert, läuft Gefahr, wirtschaftlich abgehängt zu werden.

Will die Lagerlogistik zukunftsfähig bleiben, lohnt es sich eine strategische Trias zu verfolgen: Energieverbrauch senken, nachhaltiger bauen, Abläufe optimieren. Bezogen auf die Intralogistik lassen sich alle drei Bereiche durch neue Technologien unterstützen, die insbesondere auf Automation und Robotik fußen.

Gastbeitrag

von Mark Vogt,
Head of International Sales & Marketing, Körber Supply Chain Automation

Energieeffizienz

Der einfachste Weg, Energie einzusparen, ist energieeffizientere Technologien zu nutzen. Es ist jedoch wenig gewonnen, wenn man z. B. lediglich nach effizienteren Regalbediengeräten (RBG) schaut. Worum es gehen muss, sind Energiekonzepte für einzelne Komponenten als auch für die Gesamtheit des Maschinenparks im Lager. Als wichtige Idee für die einzelnen Geräte kristallisiert sich immer stärker die Energierückgewinnung heraus. Insbesondere die teils tonnenschweren RBG sind ständig in Bewegung. Schnelles Beschleunigen und Abbremsen soll den Warenfluss maximieren. Wieso die dabei freiwerdende Bewegungsenergie nicht in elektrischen Strom umwandeln? Das zahlt sich für Kältelager sogar doppelt aus. Da dort die beim Bremsvorgang entstehende Wärmeenergie durch ein noch stärkeren Kühlprozess kompensiert werden muss. Es ist möglich, die Entstehung von Wärme zu verhindern und per Energierückspeisung diese „Abfallenergie“ für andere Komponenten zu nutzen und zurück in das Hausnetz zu speisen. Mittlerweile kann sogar mittels Energiespeicher auf den RBG diese erzeugte Energie zeitversetzt wiederverwendet werden.

Das zeigt einen Weg auf, der zukünftig sicher stärker bestritten wird: Ein hausinterner Smart Grid, also ein intelligentes Stromnetz, dass die einzelnen Geräte mit einbezieht, um Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Strom immer stärker zusammenzudenken. Dieser Weg hin zu energieautarken Distributionszentren geht vor allem über das Beherrschen der Anlagenkomplexität. Statt Lagerverwaltungs- (WMS) und Energiemanagementsystem (EMS) getrennt zu betrachten, lohnt es sich, nach Synergien zu suchen und beides zu koppeln. So lassen sich bereits heute Energiepotentiale per intelligenter Gerätesteuerung ausnutzen (zum Beispiel Deep Sleep- und Off-Peak-Modus) oder die Systemgeschwindigkeit und -beschleunigung an den aktuellen Bedarf im Distributionszentrum anpassen. Warum Maschinen am Maximum arbeiten lassen, wenn dies gerade nicht nötig ist. Bringt man noch maschinelles Lernen und Automation ins Spiel, lassen sich noch konkreter Vorhersagen über Spitzenbedarf treffen und darauf reagieren. Dadurch lässt sich nicht nur Energie sparen, sondern Lager künftig auch kompakter konzipieren.

©: Körber Supply Chain Automation

Raumminimierung

Die Größe eines Lagers hat direkten Einfluss auf seine Energieeffizienz und den CO2-Footprint. Automation ist ein wichtiger Hebel, um eine optimale Raumausnutzung zu gewährleisten. Anders als manuellen Lagern, die nicht höher als 15 Meter wachsen können, sind automatisierten Lagern keine Grenze gesetzt. Über 40 Meter hohe automatisierte Hallen sind keine Seltenheit mehr. Außerdem lässt sich mit automatisierten Logistikanlagen eine deutlich höhere Lagerdichte erreichen. Dieser Trend wird derzeit durch Robotik-Entwicklungen beflügelt. Mit dem Körber-Geschäftsfeld Supply Chain sind wir daher letztes Jahr eine Kooperation mit dem kanadischen Robotik-Unternehmen Attabotics eingegangen, das vollautomatisierte Distributionszentren mit Robotershuttles umsetzt. Die Shuttles bewegen sich in einer extrem platzsparenden Gitterstruktur, sodass der Lagerbedarf um bis zu 85 Prozent reduziert werden kann. Diese Minimierung der Lagerfläche, bewirkt nicht nur, dass die ökologisch problematische Flächenversiegelung abnimmt. Die damit einhergehende Automationstechnologie sorgt auch für deutlich optimierte Prozesse. Womit wir zum letzten Punkt dieser eng verknüpften strategischen Trias kommen.

©: Körber Supply Chain Automation

Optimierte Prozesse

Nimmt man das bisher Beschriebene zusammen – ein räumlich schlankes Lager, ausgestattet mit energieeffizienter Automationstechnologie und einer Kopplung von WMS und EMS – lassen sich unzählige Prozesse im Lager ökologisch effektiver gestalten. So lässt sich das WMS nutzen, um den Waren-, Geräte- und Personenverkehr zu minimieren oder um den Lagerbestand zu optimieren und den Lagerumschlag zu reduzieren. Per EMS wiederum können energetische Verschwendungen bzw. Verbesserungen identifiziert werden, sowie Gebäude und Geräte zur Optimierung der Energieeffizienz ausgesteuert werden. Tore können schnellstmöglich schließen, um Wärmeverluste zu verhindern, autonome Mobile Roboter (AMR) den Warenfluss zum Lager hin beschleunigen und robotergestützte Automation den Packvorgang unterstützen, um eine reibungslose Produkthandhabung und damit weniger Abfall sicherstellen.

Natürlich ist das ein Idealbild und nicht jedes Distributionszentrum muss von der Laderampe bis zum Warenausgang vollautomatisiert werden. Ein nachhaltiges Lagersystem kann jedoch nur erzielt werden, indem vor allem arbeitsintensive Aufgaben automatisiert werden. Das erhöht den Durchlauf und hilft dabei, eine maximale Flächen- und Energieeffizienz zu erreichen. Künftig wird sich die Intralogistik bezüglich Energieeffizienz noch einige technologische und planerischen Fragen stellen müssen. Soll man auf RBG oder Shuttle setzen? Hat das Zentrallager ausgedient? Einige Entwicklungen stehen am Anfang, manche sind bereits im Gange. Klar ist: Bereits heute kann die Implementierung energieeffizienter Technologien und Systeme den Energieverbrauch von Lagerhäusern um bis zu 29 Prozent reduzieren. Ein Wert, der in den kommenden Jahren stetig wachsen wird.

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„Automation ist ein wichtiger Hebel, um eine optimale Raumausnutzung zu gewährleisten.“

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