ANZEIGE
Spies
Das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider
08.04.2021

Nachhaltigkeit von Logistikimmobilien: Hebel für mehr Effizienz im Betrieb

Immer häufiger werden im Neubau sowie Bestand bei Logistikimmobilien erfolgreich Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit ergriffen. Simon Szpyrka, Geschäftsführer von Argentus, erläutert in seinem Gastbeitrag, welche Möglichkeiten sich Betreibern und Nutzern bieten.
©: iStock
Investitionen in die Nachhaltigkeit von Logistikimmobilien gehören heute zur Regel – im Neubau sowie im Bestand.
Foto: iStock
Immer häufiger werden im Neubau sowie Bestand bei Logistikimmobilien erfolgreich Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit ergriffen. Mehr Energieeffizienz im Betrieb kann unter anderem durch eine CO2-neutrale Energieversorgung erreicht werden. Hierfür können beispielsweise die entsprechenden Lieferverträge neu verhandelt und der Energiebezug CO2-neutral gestellt werden. Sofern die Lage und die baulichen sowie baurechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen, sind außerdem Photovoltaikanlagen auf dem Dach ein probater Ansatz. Der durch die Anlagen erzeugte Strom kann im Rahmen eines Contracting-Modells zur Quersubventionierung der Wärme- oder Kältepreise dienen. Alternativ bietet sich auch die Möglichkeit des Eigenverbrauchs in Form der Umwandlung in Nutzenergie (Licht, Kälte, Druckluft, mechanische Energie) in der Immobilie selbst an. Überschüssige Energie kann zudem in das lokale Stromnetz eingespeist werden.

Gastbeitrag

von Simon Szpyrka Geschäftsführer von Argentus

Risiken der Stromerzeugung

So positiv dies aus Umweltsicht ist, so herausfordernd kann dies allerdings aus steuerlicher Sicht werden: Handelt es sich beim Eigentümer um ein Unternehmen, das die Immobilie zur Vermietung im Bestand hält, können die zusätzlichen Einnahmen aus der Energieerzeugung dessen Steuerstatus verändern und die erweiterte Gewerbesteuerkürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 ff GewStG (Gewerbesteuergesetzes) gefährden. Auch wenn ohne Photovoltaikanlage operiert wird, kann das Risiko eines steuerschädlichen Anlagenbetriebes bei vermieteten Immobilien bestehen: Dieses resultiert dann aus dem Betrieb der liegenschaftseigenen Energienetze, sogenannte „Arealnetze“, und der jeweiligen Trafostation. Das Gewerbesteuerrisiko ist zwar vergleichsweise vielen Eigentümern bekannt, die weniger offensichtliche Gefahr ist jedoch, dass der Eigentümer als Stromlieferant und zusätzlich auch noch als Netzbetreiber gemäß Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) eingestuft wird. Diese Kopplung ist zum einen nicht zulässig, und zum anderen bedeutet das: Der Eigentümer muss sich plötzlich in das enge administrative Korsett zwängen, das vom EnWG vorgegeben wird. Gelöst werden können die Herausforderungen durch das Einschalten einer externen Betreibergesellschaft.

Komplettnutzer versus Multi-Use

Zu bedenken ist dabei außerdem die Frage, ob die Immobilie dauerhaft nur einen einzigen Komplettnutzer (Single Tenant) aufweist oder ob perspektivisch eine Aufteilung der Fläche für mehrere Nutzer (Multi Tenant) erfolgt. Die verursachungsgerechte Aufteilung des Verbrauchs über geeichte und anerkannte messtechnische Einrichtungen (Energiezähler) wird dann ein Thema. Es müssen geeignete Haupt- und Unterzählerstrukturen für die jeweiligen Mietbereiche geschaffen werden, damit anschließend die verbrauchs- und verursachungsgerechte Zuordnung in der Betriebskostenabrechnung erfolgen kann. Hierfür bieten sich Smart Meter an, die fernauslesbar sind und ihre Daten in automatisierte Datenmanagementsysteme des Eigentümers oder Dienstleisters übermitteln können. Diese Systeme dienen unter anderem dem fortlaufenden Monitoring, der Visualisierung und der Optimierung der Verbräuche.

Beleuchtung als weiterer Hebel

Neben der Energiezufuhr respektive einer umweltschonenden Quelle ist die genannte fortlaufende Verbrauchsoptimierung ein Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Die Beleuchtung der Außenflächen sowie der Immobilie selbst wird häufig als Feld erkannt: Durch Einsatz moderner LED-Leuchtmittel kann der Anteil am Gesamtenergieverbrauch so deutlich gesenkt werden. Insbesondere bei Bestandsimmobilien eröffnet sich dadurch die Chance, den CO2-Fußabdruck rasch und vor allem ohne Kapitaleinsatz zu verbessern. Denn man kann auf Contracting-Ansätze zurückgreifen, bei denen Dienstleister kostenneutral einen Austausch älterer Leuchtmittel vornehmen. Die meisten Austauschmaßnahmen von älteren Leuchtmitteln amortisieren sich üblicherweise innerhalb von 2 bis 3 Jahren.

Heizungsanlage mit besserem Wirkungsgrad

Ähnlich ist dies auch bei veralteten Heizungsanlagen möglich: Der Contractor erneuert die jeweilige Heizanlage auf eigenes Risiko im Rahmen eines sogenannten Energieliefer-Contractingmodells – im Gegenzug erhält er vom Immobilieneigentümer langfristige Abnahmeverträge. Über die Laufzeit refinanziert der Contractor sein Investment. Allein durch den höheren Wirkungsgrad moderner Anlagen können häufig rund 30 Prozent des Primärenergieträgers wie bspw. Gas eingespart werden. Zudem können bei der Erneuerung der Anlagentechnik auch noch alternative Energiequellen geprüft und ggfs. in das Gesamtkonzept der üblicherweise Wärme-, Kälte- oder Stromversorgung integriert werden.

Einen weiteren Ansatzpunkt bei den Heizungsanlagen bietet die Reglungstechnik. Bei älteren Anlagen erlaubt ist eine graduelle Regelung des Heizbedarfs nicht gegeben, dort gibt es nur „An“ oder „Aus“. Bei Teilleerstand etwa wird dann zu viel Wärme bereitgestellt, denn die komplette Liegenschaft wird beheizt. Durch den Einsatz entsprechender moderner Regelungstechnik können die Heizanlagen witterungsbedingt und bedarfsgeführt betrieben werden, wodurch sich ebenfalls Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent ergeben.

Verhältnis zur grauen Energie

Insgesamt gilt: Das CO2, das im Betrieb emittiert wird, stellt nur eine Säule zur Verbesserung der Ökobilanz von Logistikimmobilien dar. Zu berücksichtigen ist unter anderem auch das in der Immobilie gebundene CO2. Man spricht hierbei von grauer Energie. Gemeint sind die Primärenergie und der CO2-Ausstoß, die anfallen, um ein Gebäude zu errichten. Sie umfasst zunächst den Energieaufwand beim Gewinnen der Grundmaterialien sowie beim Herstellen der Bauteile und deren Verarbeitung. Darüber hinaus wird auch der Transport von Menschen, Maschinen, Bauteilen und Verarbeitungsmaterial zur Baustelle bilanziert. Entsprechend stellt sich die Frage, ob veraltete Bestandsimmobilien im Sinne eines energieeffizienteren Betriebs saniert oder eher abgerissen werden sollten, um an gleicher Stelle einen energieeffizienten Neubau gemäß den aktuellen Anforderungen zu errichten. Sanierte Bestandsimmobilien dürften, sofern sich die Nutzungsdauer ausreichend erhöht, in ihrer Gesamtökobilanz oft besser abschneiden: Die Sanierung bestehender Liegenschaften erfordert vergleichsweise wenig Materialaufwand und damit weniger graue Energie.

ANZEIGE

„Die meisten Austauschmaßnahmen von älteren Leuchtmitteln amortisieren sich üblicherweise innerhalb von 2 bis 3 Jahren.“

Simon Szpyrka
Geschäftsführer von Argentus

ANZEIGE

Lesen Sie auch

Das neueste

Beliebt bei unseren Lesern

Logistikrenditen haben Bodenbildung nahezu erreicht

Nach einer Analyse von Garbe Research hat die „Schockstarre“ auf dem Investmentmarkt auch das erste Halbjahr 2023 geprägt. Doch sie könne sich nach Ansicht der Analysten bald lösen – sofern die Zinsentwicklung konstant bleibt. In vielen Märkten zeige sich, dass die...

Logix mit zwei Foren auf Expo Real in München

Im Zuge ihrer gemeinsamen Kooperation starteten die Logix Initiative, Kooperationspartner von Ramp One, und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) im Juli 2020 die Umfrage „Logistik in Kommunen“. Ziel war es, die Einschätzung der Städte und Gemeinden zu...

BNP Paribas Real Estate stellt sich neu auf

Das Frankfurter Logistics & Industrial Advisory-Team von BNP Paribas Real Estate hat sich neu aufgestellt: Maximilian Benz (30) verantwortet als Director Logistics & Industrial Advisory die Aktivitäten im Logistik- und Industriesektor für die...

Ramp One 2026

Deutschland und seine Logistikregionen

Newsletter abonnieren!

Der kostenlose Newsletter für erstklassige Informationen aus der Welt der Logistikimmobilien.

Aus unseren Rubriken

GLP vermietet Logistikimmobilie an Amazon

Der Investor und Entwickler für Logistikimmobilien und Distributionsparks, GLP, hat eine Logistikimmobilie mit 9.000 Quadrat¬metern Fläche in seinem Magna Park Berlin-Werder (Havel) an Amazon vermietet. Das Objekt wurde im Oktober 2020 fertiggestellt und ersetzt das vorherige modulare Amazon-Gebäude an dem Standort.

Recht Logistik Gruppe bestellt 50.000 Papp-Lagerkartons

Für ihre Kontraktlogistiksparte ordert die Recht Logistik Gruppe im Geschäftsjahr 2023 insgesamt 50.000 Lagerkartons. Sie ersetzen die bisherigen Kunststoffkisten. Das spare Geld, mache das Unternehmen nachhaltiger und in der Lagerhaltung und Kommissionierung deutlich flexibler.

Gewerbeparks – Wie Kommunen der Spagat gelingt

Zukünftig wird die Industrie als Flächennachfrager aufholen und das Angebot an citynahen Flächen weiter verknappen. In einem Gastbeitrag für Ramp One erläutert Adriano Borgia von Realogis, welche Anforderungen die Kommunen an Neuansiedelungen stellen und welche existierenden Gewerbepark-Konzepte von den Kommunen derzeit gern gesehen sind.

HIH Invest kauft dreiteiliges Portfolio für Nahversorgerfonds

Die HIH Invest Real Estate (HIH Invest) hat ein lebensmittelgeankertes Einzelhandelsportfolio aus drei Objekten von der internationalen Investmentgesellschaft Gold Tree erworben. Die Transaktion erfolgte im Zuge eines Asset Deals für den offenen Spezial-AIF „Perspektive Einzelhandel: Fokus Nahversorgung”.