Trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleibt die Nachfrage stabil: So wurden nach Angaben von Bulwiengesa im ersten Halbjahr 2026 rund 284.400 Quadratmeter Gewerbeparkflächen fertiggestellt. Der Flächenumsatz erreichte im selben Zeitraum rund 325.800 Quadratmeter. Für das Gesamtjahr rechnet Bulwiengesa mit einem höheren Flächenumsatz, einer stabilen Nachfrage und weiter steigenden Mieten. Dass dabei Gewerbe- und Handwerkerparks als Flächenangebot für unterschiedliche Nutzergruppen sowie als Investment- und Finanzierungsprodukt stärker wahrgenommen werden, liegt nach Ansicht von Bulwiengesa vor allem an flexiblen Flächenkonzepten, urbanen Standorten sowie der Möglichkeit einer Drittverwendung.
Über diese Entwicklungen diskutierten Experten aus der Logistikimmobilienbranche während eines Webinars mit dem Titel „Resilient durch Vielfalt: Mit Gewerbeparks und Gewerbehöfen stabil durch die Krise“. Es sprachen Sven Carstensen MRICS, Geschäftsführer von Bulwiengesa, Henning Nietz, Geschäftsführer von Square Parks, Andreas Pfaff, Bereichsleiter Inland Nord/West der Berlin Hyp, und Niklas Räther, Executive Director und Head of Investment Germany bei AEW Invest.

Artikel
von Tim-Oliver Frische
Neubau ergänzt Bestandsobjekte
Gewerbeparks und Gewerbehöfe wurden lange Zeit vor allem mit Bestandsimmobilien und der Umnutzung ehemaliger Industrieflächen verbunden. Nach Einschätzung von Sven Carstensen entwickelt sich das Segment inzwischen auch im Neubau weiter. Die Nachfrage und die Mietertreue seien stabil, während das Angebot an geeigneten Flächen begrenzt bleibe. Dies schaffe die Grundlage für eine schrittweise Entwicklung der Mieten.
Die Fertigstellungszahlen und der Flächenumsatz im ersten Halbjahr 2026 unterstreichen die Entwicklung. Gewerbeparkflächen werden dabei von unterschiedlichen Nutzergruppen nachgefragt. Das Spektrum reicht vom Handwerk und vom produzierenden Gewerbe bis zu E-Commerce, Last Mile und technologieorientierten Unternehmen.
Nutzerstruktur verteilt Risiken
Square Parks entwickelt nach Angaben von Geschäftsführer Henning Nietz vor allem Halleneinheiten mit Flächen zwischen etwa 400 und 1.500 Quadratmetern. Ergänzend entstehen Büroflächen. Die Einheiten können für Produktion und Lagerung genutzt werden; teilweise eignen sie sich auch für Showrooms.
Die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und die heterogene Zusammensetzung der Mieter reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Branchen. Für Betreiber und Eigentümer ergibt sich daraus eine breitere Grundlage bei der Vermietung. Neben der Flächengestaltung werden laut Nietz auch die Bauweise, die Gebäudetechnik und die Erreichbarkeit des Standorts wichtiger. Urbane Lagen können dabei Vorteile für Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer bieten.
Investoren prüfen Standort und Nutzungsmöglichkeiten
Für institutionelle Investoren stellen urban gelegene Gewerbeparks eine Ergänzung zu großflächigen Logistikimmobilien dar. Sie adressieren vor allem die Nachfrage nach kleineren und flexibleren Einheiten. Niklas Räther von AEW Invest sieht das Segment deshalb als Möglichkeit, innerhalb des Logistikimmobilienmarktes breiter zu investieren.
Bei der Auswahl von Objekten kommt es aus seiner Sicht auf die Lage, die Größe der Einheiten und die Möglichkeiten einer alternativen Nutzung an. Für Investoren ist damit entscheidend, ob eine Immobilie auch bei einem Mieterwechsel flexibel eingesetzt werden kann. Eine breite Drittverwendungsfähigkeit kann das Risiko bei der Vermietung begrenzen.
„Gewerbeparks bedienen einen Flächenbedarf, den klassische großflächige Logistikimmobilien nicht abdecken können. Für uns ist das Segment deshalb eine sinnvolle Diversifikation, insbesondere im Größenbereich von etwa 1.000 bis 3.000 Quadratmetern pro Einheit“, erläutert Räther. Entscheidend seien eine hohe Standortdisziplin sowie eine Immobilie, die flexibel nutzbar und möglichst breit drittverwendungsfähig ist.
Finanzierung setzt professionelle Strukturen voraus
Auch bei Banken ist das Segment inzwischen etabliert. Andreas Pfaff von der Berlin Hyp berichtet, dass Gewerbe- und Handwerkerparks seit etwa 2015 schrittweise in den Kreditbestand der Bank aufgenommen wurden. Die Widerstandsfähigkeit des Segments und seine Perspektive führten zu einer positiven Einschätzung.
Bei der Finanzierung werden nach Angaben der Berlin Hyp der Investor beziehungsweise Entwickler, dessen Bonität und Erfahrung sowie die Qualität des Asset Managements betrachtet. Hinzu kommen die Eigenschaften des Standorts und des jeweiligen Objekts. Bei mittel- und langfristigen Finanzierungen erfolgt die Prüfung objektspezifisch.
Fazit
Die Diskussion im Webinar zeigte, dass Gewerbe- und Handwerkerparks nicht mehr ausschließlich als nachgenutzte Bestandsobjekte betrachtet werden. Neben der Entwicklung im Neubau nimmt auch ihre Bedeutung für institutionelle Investoren und Finanzierer zu. Die Kombination aus verschiedenen Nutzergruppen, flexiblen Flächen und einer möglichen Drittverwendung bildet dabei die Grundlage für die weitere Professionalisierung des Segments.
„Wir kommen bei Gewerbeparks und bei Gewerbehöfen traditionell stark aus der Bestandsimmobilie und aus der Nachnutzung ehemaliger Industrieareale. Inzwischen sehen wir jedoch, dass sich das Segment sukzessive auch im Neubau etabliert. Gleichzeitig bleiben Nachfrage und Mietertreue stabil, während das Flächenangebot begrenzt ist.“
Sven Carstensen
MRICS, Geschäftsführer von Bulwiengesa


















