Das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider
08.04.2021

Die Logistikansiedlung als politische Herausforderung

Philipp Oevermann, Director Logistics bei Segro in Deutschland, gibt in seinem Gastbreitrag Antworten auf die Frage: Wie kann man bei Logistikansiedlungen den Interessen des Gewerbes, der Kommunen und der Anwohner gerecht werden?
©: Segro
Vorher: Das 14,5 Hektar große ehemalige US-Militär-Gelände in Frankfurt-Rödelheim lag viele Jahre brach.
Foto: Segro

Im Zuge der Coronakrise 2020 zeigt sich klarer denn je, dass die Logistik ein unverzichtbares Element der Weltwirtschaft ist. Und dabei geht es um weit mehr als nur den bloßen E-Commerce-Handel im Sinne von Amazon oder Zalando. Die Logistik wird in jeglichen Wirtschaftsbereichen gebraucht, ob Belieferung der Supermärkte oder auch der Transport wichtiger medizinischer Ausstattung von Krankenhäusern. Die seit Jahren anhaltende hohe Nachfrage nach Logistikflächen hat im vergangenen Jahr einen neuen Schub erhalten.

2020 wurde CBRE zufolge auf dem Logistikimmobilienmarkt ein Flächenumsatz von 6,9 Millionen Quadratmetern durch Vermietungen und Eigennutzungen erreicht. Dass die Zahlen in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht noch höher ausfielen, liegt weniger am Mieterinteresse, sondern ist vor allem durch das beschränkte Angebot an verfügbaren Flächen begründet. Gerade in Metropolregionen sorgt der Flächenmangel für Herausforderungen.

Zudem kommt es zu einem Reibungspunkt zwischen Gewerbe und Kommunen. Die Städte erhoffen sich die Revitalisierung von brach liegenden Industriearealen, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Erträge durch Gewerbesteuern. Die Anwohner hingegen stehen zumeist skeptisch einem geplanten Gewerbe- und Logistikprojekt direkt „vor der Haustür“ gegenüber. Die Sorge vor unansehnlichen Betonklötzen und lautem Lieferverkehr ist groß.

Deshalb gilt es aus Sicht der Immobilienentwickler, vor allem eine gute Kommunikation zu betreiben und den Nutzen der Gewerbe- und Logistikobjekte zu vermitteln. Denn wer regelmäßig sein Shopping ins Internet verlegt und auch gerne den Supermarkt täglich mit frischen Waren bestückt sehen will, der ist auf die entsprechenden logistischen Vorgänge angewiesen. Besonders wichtig ist dies in Zeiten der Reurbanisierung, in der die Städte immer weiter organisch wachsen. Zu wenig Logistikflächen wirken sich letztlich negativ auf die urbane Lebensqualität aus.

Gastbeitrag

von Philipp Oevermann
Director Logistics bei Segro in Deutschland

Mehrwerte schaffen

Über diesen indirekten Nutzen hinaus können die Liegenschaften sogar einen direkten Nutzen für die Anwohner der Gemeinde schaffen. Beispielsweise wenn es sich bei einer solchen Immobilie nicht nur um ein reines Logistikzentrum mit einem einzelnen Nutzer handelt, sondern um einen gemischt genutzten Gewerbe- und Logistikpark mit einem Mieterbesatz aus zahlreichen Branchen, der auf Ebene der Kommune für ein vielseitigeres Jobangebot sorgt und sich obendrein in Form einer Kantine für alle oder allgemein zugänglicher Freizeitangebote nach außen öffnet.

Und auch wenn Gewerbe- und Logistikimmobilien aufgrund des stattfindenden Lkw-Verkehrs auf den ersten Blick als wenig umweltverträglich gelten, kann die Immobilie selbst und auch der Betrieb dieser inzwischen sehr nachhaltig gestaltet sein. Dieser Aspekt der Umweltfreundlichkeit ist für die meisten Bürger nicht mehr nur ein netter Bonus, sondern ein notwendiges Kriterium für die Akzeptanz eines geplanten Gewerbe- und Logistikobjekts.

Brownfield-Redevelopments nützen sowohl Kommunen als auch Mietern

Ein wichtiger Aspekt für Städte und Kommunen ist die Wirtschaftskraft von Gewerbe- und Logistikimmobilien. Dies lässt sich vor allem durch Brownfield-Redevelopments umsetzen: Für die Kommune wird alten Gewerbegebieten neues Leben eingehaucht. Für die Mieter ergibt sich die Möglichkeit, innerstädtische Flächen zu beziehen. Wenn ehemalige Brachflächen zu Unternehmensstandorten werden, sorgen diese für neue Arbeitsplätze vor Ort und erfüllen zudem einen wichtigen Aspekt – auch den der sozialen Nachhaltigkeit, da historisch wichtige Areale ein Nachnutzungskonzept erhalten.

Mittels flexibler Flächenkonzepte innerhalb der Objekte sind die Immobilien für die unterschiedlichsten Branchen interessant, was für eine hohe Mietauslastung sorgt. Von einer solchen Infrastruktur profitieren Anwohner direkt, da auch kleinere Dienstleister sich dort ansiedeln. Für die Mieter besteht die Möglichkeit, die Flächen je nach Wirtschaftslage anzupassen. Hilfreich hierfür ist allerdings eine produktive und langfristige Zusammenarbeit zwischen Vermieter, Mieter und Kommunen.

ANZEIGE

6,9 Mio. m²

Flächenumsatz wurde laut CBRE 2020 durch Vermietungen und Eigennutzungen erreicht.

Nachher: Inzwischen findet sich dort mit dem Segro CityPark Frankfurt ein moderner und vielfältiger Gewerbepark – Biodiversität inklusive. (Foto: Segro)

Nachhaltigkeit langfristig denken

Je nach Schwerpunktsetzung der Kommune und der Mieter können gleich während der Bauphase wichtige Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden. Fehlt es beispielsweise an einer modernen Elektro-Infrastruktur für das Aufladen von E-Fahrzeugen, könnten rechtzeitig Ladesäulen so eingeplant und installiert werden, dass diese auch Anwohnern zugänglich sind. Genauso wichtig sind Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Biodiversität. In Deutschland finden sich immer häufiger Bienenvölker und Nisthöhlen auf den Arealen von Gewerbe- und Logistikimmobilien. Darüber hinaus können heimische (ausgewachsene) Bäume auf dem Areal gepflanzt werden, um ebenfalls zur Biodiversität beizutragen.

Aber auch bei der Auswahl der Baumaterialien existieren wichtige Stellschrauben in Sachen Nachhaltigkeit: Beispielsweise lässt sich Holz sowohl für die Außenfassade als auch für die Dachbalken verwenden. Beides reduziert die gebäudeimmanenten CO2-Ausstöße (Embodied Carbon). Dadurch lassen sich auf 22.500 Quadratmeter Nutzfläche rund 260 Tonnen CO2 gegenüber Betonträgern und 340 Tonnen gegenüber Stahlträgern einsparen. Für eine vollständige Klimaneutralität lassen sich zusätzlich Photovoltaik-Paneele auf dem Dach installieren, die einen Energieüberschuss erzeugen.

Fazit:

Während sich Kommunen produzierendes Gewerbe mit vielen Arbeitsplätzen und Gewerbesteuererträge wünschen, sind es für Bewohner dieser Ortschaften andere Merkmale, auf die sie ihr Augenmerk legen. Die Aufgabe der Entwickler von Gewerbe- und Logistikimmobilien besteht also darin, sowohl den eigenen Interessen als auch denen der Kommunen und der Anwohner nachzukommen. Wichtig ist daher eine Projektkonzeption, welche eine breite Akzeptanz schafft. Hilfreich hierfür ist es, in einen konstruktiven und kontinuierlichen Dialog zu treten, welcher auf mögliche Vorbehalte gegenüber einem Projekt reagiert.

ANZEIGE

Lesen Sie auch

Bauwo vermietet an „Müller – Die lila Logistik“

Bauwo vermietet an „Müller – Die lila Logistik“

Bauwo hat zwei der drei Bauteile seines im Bau befindlichen Logistikparks Dombühl vermietet. Das Unternehmen „Müller – Die lila Logistik“ sichert sich in der Build-to-Suit-Immobilie rund 52.000 Quadratmeter Nutzfläche. JLL hat den Vermieter beraten und den Abschluss vermittelt.

Garbe Industrial investiert in Tschechien

Garbe Industrial investiert in Tschechien

Die tschechische Tochter von Garbe Industrial entwickelt einen Industriepark nahe der deutsch-tschechischen Grenze. Der Baustart erfolgte Ende 2025, ein Ankermieter ist bereits gefunden. Insgesamt plant Garbe Investitionen von mehr als 60 Millionen Euro.

Garbe Industrial investiert in Tschechien

Garbe Industrial investiert in Tschechien

Die tschechische Tochter von Garbe Industrial entwickelt einen Industriepark nahe der deutsch-tschechischen Grenze. Der Baustart erfolgte Ende 2025, ein Ankermieter ist bereits gefunden. Insgesamt plant Garbe Investitionen von mehr als 60 Millionen Euro.

Das neueste

Webtalk: On the Road to Expo Real

Webtalk: On the Road to Expo Real

Am 1. Oktober war Ramp One, das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider, live auf Sendung. Fein portioniert diskutierten Branchenexperten im Vorfeld der Messe Expo Real Themen, die die Branche bewegen: das neue ESG-Label der Initiative Logistikimmobilien, die Logix-Studie zur kommunalen Wärmeplanung, den in diesem Jahr wieder ausgelobten Logix Award sowie das exklusive Interview mit Jan Dietrich Hempel im DVZ-Themenheft Logistikimmobilien.

WEITERLESEN

Beliebt bei unseren Lesern

Logistikmarkt läuft weiter auf Hochtouren

Die Erfolgsstory auf dem Logistik-Investmentmarkt setzt sich fort. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 4,23 Milliarden Euro in deutsche Logistikimmobilien investiert, davon 2,2 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Es ist damit das zweitbeste Halbjahresergebnis aller...

Umfrage: Logistikimmobilien attraktivste Assetklasse

Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Rueckerconsult im Auftrag des Investment Developers Complemus Real Estate hat ergeben, dass Logistikimmobilien derzeit die attraktivste Immobilien-Assetklasse sind. An der Umfrage haben Anfang 2024 insgesamt 46 Vertreterinnen und...

Deutschland und seine Logistikregionen

Newsletter abonnieren!

Der kostenlose Newsletter für erstklassige Informationen aus der Welt der Logistikimmobilien.

Aus unseren Rubriken

Garbe Industrial strukturiert Geschäftsführung neu

Arbeitet noch bis Jahresende 2026 vollumfänglich in der Geschäftsführung, dann wird er das Unternehmen verlassen: Jan Dietrich Hempel trat 2009 ins Unternehmen ein, wurde 2011 zum Vorstand der Garbe Logistic AG berufen und ist seit Mai 2016 Geschäftsführer bei Garbe Industrial.

Garbe Industrial stellt sein Führungsteam neu auf. Mit der Reorganisation reagiert das Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen und will sich stärker an den Anforderungen seiner Kunden ausrichten. Jan Dietrich Hempel verlässt das Unternehmen zum Jahresende.

DKB ergänzt Partnernetzwerk von Bulwiengesa

Bulwiengesa baut das Partnernetzwerk für seinen Development Monitor aus. Neben dem bereits beteiligten BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e. V. unterstützt nun auch die Deutsche Kreditbank die Analyse-Plattform.

Bauwo vermietet an „Müller – Die lila Logistik“

Der Logistikpark befindet sich im Industrie- und Gewerbegebiet Dombühl-Süd mit Anschluss an die Autobahnen 6 und 7.

Bauwo hat zwei der drei Bauteile seines im Bau befindlichen Logistikparks Dombühl vermietet. Das Unternehmen „Müller – Die lila Logistik“ sichert sich in der Build-to-Suit-Immobilie rund 52.000 Quadratmeter Nutzfläche. JLL hat den Vermieter beraten und den Abschluss vermittelt.

LIP Invest erwirbt Logistikimmobilie in Thiendorf

Der KEP-Dienstleister Hermes Germany betreibt die Immobilie in Thiendorf als regionales Depot.

LIP Invest hat in Thiendorf bei Dresden eine Logistikimmobilie für den von Intreal verwalteten „LIP Real Estate Investment Fund – Logistics Real Estate V“ erworben. Der Ankauf erfolgte im Zuge eines Off-Market-Deals vom Bremer Projektentwickler und Investor Peper & Söhne.