Das Medium für Logistikimmobilien-Entscheider

Marktbefragung: Logistikimmobilien sind Krisengewinner – aber mit Risiken

Die Stimmung unter Anbieter von Logistikimmobilienfonds hat sich krisenbedingt zwar leicht eingetrübt, dennoch erwarten nahezu drei Viertel der Befragten in den kommenden drei Jahren Mietpreiszuwächse bei Logistikimmobilien. Das sind Ergebnisse einer Marktbefragung der Ratingagentur Scope, einem Analyse- und Bewertungsunternehmen mit Sitz in Berlin.
©: Pixabay
Logistikimmobilien sind gefragt: Sie werden in Zukunft vermehrt auch offene Immobilienfonds bereichern, ermittelte Scope Analysis in einer Marktbefragung.
Foto: Pixabay

Die Berliner Ratingagentur Scope hat 16 Anbieter von Logistikinvestments zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen Lage befragt. Zusammen verwalten die Befragten mehr als 380 Mrd. EUR. Ergebnis: „Die Erwartungen der Anbieter sind für 2020 und 2021 für alle Segmente, in denen sie aktiv sind, zwar weiterhin positiv, ihre Stimmung ist aber krisenbedingt im Vorjahresvergleich gedämpft. Dies gilt insbesondere für Anbieter im Bereich Projektentwicklung“, berichtet Scope.

Demnach würden zwar Logistikinvestments durch den durch die Coronakrise beschleunigten Trend zum Online-Handel „deutlich robuster eingeschätzt als etwa die Bereiche Einzelhandel und Hotel“. Infolge der Krise achteten Investoren aber verstärkt auf die Branchen, in der die Mieter der Logistikimmobilien tätig sind. „Während der Online-Handel, die Lebensmittel- und Pharmalogistik relativ krisenresistent sind, sind die Vermietungsrisiken in der Automobilindustrie einschließlich ihrer Zulieferer und im Maschinenbau gestiegen“, lautet ein weiteres Ergebnis der Marktbefragung.

Steigende Mieten erwartet – zumindest auf Dreijahressicht

73 Prozent der Befragten erwarteten – trotz Coronakrise – Mietpreiszuwächse bei Logistikimmobilien in den kommenden drei Jahren. 27 Prozent rechneten mit Stagnation. „Gute Lagen in den Ballungsräumen werden teurer, während Logistikzentren in ländlichen Regionen weniger stark gefragt sind“, heißt es weiter. So müssten eher Logistikregionen mit industrieller Prägung und Abhängigkeit von krisenanfälligen Branchen mit Mietpreisrückgängen rechnen.

Kurzfristig betrachtet seien die Angebotsmieten von Jahresbeginn bis Juni um 8,6 Prozent und im Jahresvergleich um 3,4 Prozent gesunken. Lediglich der Ballungsraum Berlin, der am geringsten industriell geprägt sei, war von dieser Entwicklung ausgenommen. „Er zeigt sogar eine deutliche Steigerung der Angebotsmieten im Juni im Vergleich zum Jahresbeginn von 14,5 Prozent. Die Renditeerwartungen der Befragten liegen zu 60 Prozent zwischen 4 und 5 Prozent.“

Artikel

von Tim-Oliver Frische

Wie beurteilen Sie im laufenden Jahr (2020) die Situation für Ihr Unternehmen in den Geschäftsfeldern, in denen Sie aktiv sind?

gut

befriedigend

unbefriedigend

  • Offene Immobilien-Publikums-AIF (europäisch domiziliert) 67% 67%
  • 33% 33%
  • Offene Immobilien-Spezial-AIF 73% 73%
  • 27% 27%
  • Geschlossene Publikums-AIF (europäisch domiziliert) 75% 75%
  • 25% 25%
  • Geschlossene Spezial-AIF 83% 83%
  • 17% 17%
  • Fremdkapitalvehikel 67% 67%
  • 33% 33%
  • Projektentwicklungen 75% 75%
  • 25% 25%

Deutschland weiterhin im Fokus

Der Logistikstandort Deutschland ist für die Investoren im europäischen Kontext weiterhin am attraktivsten. 56 Prozent der Befragten schätzen ihn als attraktiv und sogar 44 Prozent als sehr attraktiv ein. Deutschland bleibe bei weitem der größte Markt in Europa, so Scope. Dafür sprechen die geografische Lage, die Infrastruktur, die Wirtschaftsleistung, die hohen Technologiestandards und nicht zuletzt die hohe Zahl an Einwohnern mit relativ hoher Kaufkraft, die als Konsumenten erreicht werden können.

Offene Immobilienfonds:
Mehr Ankäufe von Logistikimmobilien

Neben der Umfrage unter Anbietern von Logistikimmobilienfonds hat die Ratingagentur Scope bereits im Frühjahr 2020 die Manager offener Immobilienfonds zur voraussichtlichen Entwicklung der Anteile der Nutzungsarten in den Portfolios befragt. Ergebnis: 44 Prozent der Anbieter von offenen Immobilienfonds planen in den kommenden drei Jahren verstärkt Ankäufe von Logistikimmobilien. Nur 6 Prozent gehen von Verkäufen aus. Bei den Einzelhandelsimmobilien überwiegen dagegen die Verkaufsabsichten. 22 Prozent der Befragten ziehen Verkäufe in Betracht und nur rund 17 Prozent gehen von Ankäufen aus.

Scope Analysis ist Teil der Scope Group, einem Anbieter von unabhängigen Ratings und Risikoanalysen aller Anlageklassen mit Hauptsitz in Berlin. Scope Analysis ist spezialisiert auf die Analyse und Bewertung von Asset-Management-Gesellschaften, Zertifikate-Emittenten sowie Mutual Funds (offene Investmentfonds, d. Red.) und Alternativen Investmentfonds aus den Bereichen Immobilien, Schiff- und Luftfahrt, erneuerbare Energien und Infrastruktur. Scope Analysis erstellt ein kontinuierliches Risiko-Monitoring und unterstützt institutionelle Investoren (unter anderem Kreditinstitute, Versicherungen, Investment- und Kaptalgesellschaften, d. Red.).

Logistikstandort Deutschland

%

Attraktiv

%

Sehr attraktiv

ANZEIGE

Quelle: Scope Analysis

Lesen Sie auch

Zahl der Projektentwicklungen bleibt hoch

Zahl der Projektentwicklungen bleibt hoch

Projektentwicklungen finden in Deutschland nicht nur in den großen Städten und ihrem Umland statt, sondern flächendeckend und mit hohen Volumina auch in der Peripherie. Das zeigen die Ergebnisse einer Kurzstudie von Bulwiengesa.

Flächenmangel zeigt sich in NRW immer deutlicher

Flächenmangel zeigt sich in NRW immer deutlicher

Laut Analyse von CBRE erreichte der Industrie- und Logistikimmobilienmarkt in NRW 2022 einen Flächenumsatz von 1,55 Millionen Quadratmetern. Damit lag der Umsatz 15 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Im Schlussquartal fiel er besonders gering aus.

Neubauvolumen 2022 leicht rückläufig

Neubauvolumen 2022 leicht rückläufig

Mit einem leichten Rückgang hat laut Logivest der Logistikimmobilienmarkt das Jahr 2022 in puncto Neubauvolumen abgeschlossen. Mit insgesamt rund 5,1 Millionen Quadratmetern Logistikneubaufläche waren es rund 400.000 Quadratmeter weniger als 2021.

Flächenmangel zeigt sich in NRW immer deutlicher

Flächenmangel zeigt sich in NRW immer deutlicher

Laut Analyse von CBRE erreichte der Industrie- und Logistikimmobilienmarkt in NRW 2022 einen Flächenumsatz von 1,55 Millionen Quadratmetern. Damit lag der Umsatz 15 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Im Schlussquartal fiel er besonders gering aus.

Das neueste

Beliebt bei unseren Lesern

Nichole Chan wird neue Head of ESG bei P3 Logistic Parks

P3 Logistic Parks ernennt Nichole Chan zur neuen Head of ESG. Sie wird die Leitung der Umsetzung der ESG-Strategie von P3 übernehmen, um das Engagement für Nachhaltigkeit weiter zu stärken. Konkret wird Nichole Chan wird für die Einführung der ESG-Strategie von P3 in...

Prologis vermietet an Euziel

Prologis und der Online-Händler Euziel haben einen Mietvertrag über rund 43.000 Quadratmeter Logistik- und Büroflächen in Köln-Niehl abgeschlossen. Die Vereinbarung umfasst nach Angaben von Prologis eine Bestandsfläche mit etwa 11.500 Quadratmetern sowie eine...

Deutschland und seine Logistikregionen

Newsletter abonnieren!

Der kostenlose Newsletter für erstklassige Informationen aus der Welt der Logistikimmobilien.

Aus unseren Rubriken

DF Industrial Partners auf Expansionskurs

DF Industrial Partners AG (DFI), baut mit der Gründung zweier weiterer Niederlassungen in Hamburg und Stuttgart seine Aktivitäten aus. Außerdem verstärkt der Projektentwickler sein Team mit zwei neuen Kollegen.

GLP vermietet Logistikimmobilie an Amazon

Der Investor und Entwickler für Logistikimmobilien und Distributionsparks, GLP, hat eine Logistikimmobilie mit 9.000 Quadrat¬metern Fläche in seinem Magna Park Berlin-Werder (Havel) an Amazon vermietet. Das Objekt wurde im Oktober 2020 fertiggestellt und ersetzt das vorherige modulare Amazon-Gebäude an dem Standort.

Klimawende in der Logistik

Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe, hält vor dem Hintergrund des derzeit vorherrschenden Nachfrageüberhangs willkürliche Mieterhöhungen für möglich. Er appelliert an die Vermieter, ihre derzeitige Stellung nicht auszunutzen.

JYSK bezieht Etage im „Mach2“

Four Parx begrüßt einen weiteren Mieter in seiner zweistöckigen Logistik- und Gewerbeimmobilie „Mach2“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Nach Airbus bezieht nun auch das Handelsunternehmen JYSK Flächen in dem Leuchtturmprojekt.

Peakside erwirbt Grundstück in Mülheim-Kärlich

Peakside hat ein 110.000 Quadratmeter großes Grundstück in Mülheim-Kärlich bei Koblenz von einem privaten Verkäufer erworben. Der Ankauf erfolgte für den Peakside Real Estate Fund IV, in den Peakside insgesamt über 1,2 Milliarden Euro investieren will.