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„Mut zur Innovation“
Auf ein Gespräch: Fred-Markus Bohne, Managing Partner beim Projektentwickler Panattoni, spricht im Interview über den Chipmangel, Wachstumschancen sowie das noch immer unterschätzte Potenzial von Konversionsflächen.
©: Oliver Detje
Tim-Oliver Frische (rechts) trifft Fred-Markus Bohne, Managing Partner bei Panattoni, auf der Expo Real zum Ramp One-Talk.
Foto: Oliver Detje
Ramp One: Lieber Fred-Markus Bohne, die Flächennachfrage auf dem Logistikmarkt ist nach wie vor hoch, die Brownfield-Entwicklung gewinnt immer mehr an Bedeutung, um dringend benötigte Flächen bereitzustellen. Welchen Stellenwert räumt Panattoni dem Thema Brownfield ein? Fred-Markus Bohne: Die Realisierung von Projekten auf Brachflächen spielt bei Panattoni eine wichtige Rolle, rund 80 Prozent unserer Vorhaben entstehen gegenwärtig auf Brownfields. Obwohl Aufwand als auch Risiko hierbei höher sind, überwiegen die Vorzüge aus einer Vielzahl von Gründen. Einerseits ist da die gesellschaftlich-politische Thematik der Flächenversieglung, die im Rahmen des Klimawandels und aus der Perspektive der Nachhaltigkeit an Relevanz gewinnt. Aber auch Kommunen und die Bevölkerung profitieren, wenn ungenutzte und wenig attraktive Brachgrundstücke neu entwickelt werden. Zuletzt haben die Nutzer etwas davon, denn historische Ansiedlungen liegen oftmals an einem attraktiven Standort mit ausgeprägter Infrastruktur und Anbindung. Das gilt in besonderem Maß für städtische oder stadtnahe Immobilien

Interview

von Tim-Oliver Frische

In der aktuellen Bulwiengesa-Studie „Logistik und Immobilien“ nimmt Panattoni mit einem erwarteten Neubauvolumen von 1,5 Millionen Quadratmetern Logistikfläche bis 2022 den Spitzenplatz unter den Entwicklern auf dem deutschen Markt ein. Was ist die Erfolgsformel hinter dieser Entwicklung?

Zunächst einmal freuen wir uns sehr über die Erstplatzierung in der Bulwiengesa-Studie. Seit 2015 haben wir 95 Projekte in Deutschland realisiert mit einer Gesamtfläche von rund 2,4 Millionen Quadratmetern. Die Voraussetzungen für diesen anhaltend positiven Kurs liegen meiner Ansicht nach sowohl in der Struktur von Panattoni als auch in unserer Strategie. Wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen mit eigenen Experten-Teams, was bedeutet, dass wir unser Know-how und unsere Expertise im eigenen Haus haben. Mittlerweile haben wir knapp 100 Mitarbeitende mit ausgeprägtem Teamgeist und Motivation. Dabei liegt unser Fokus auf den Bedürfnissen und Anliegen unserer Kunden sowie der Kommunen, mit denen wir ein partnerschaftliches Verhältnis pflegen und das wir unter anderem durch die Unterstützung unserer Netzwerke wie der Initiative Logistikimmobilien (Logix), der Brownfield24-Plattform, der „Wir sind Logistik“-DVZ-Kampagne und regionalen Partnerschaften vertiefen. Bei unseren Standorten legen wir Wert darauf, das optimale Verständnis für die Gegebenheiten vor Ort zu entwickeln. Dafür können in naher Zukunft noch zwei bis drei weitere Panattoni-Niederlassungen in Deutschland hinzukommen zu den bestehenden Standorten in Hamburg, Düsseldorf, Mannheim und München.

Die Corona-Pandemie hat einer breiten Öffentlichkeit erstmalig die Systemrelevanz der Logistik deutlich gemacht. Auch jetzt spielt das Thema Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Welche Auswirkungen hat dies auf die Logistikimmobilien-Wirtschaft?

Für viele war es eine prägende Erfahrung, zum ersten Mal mit leeren Regalen und fehlenden Produkten konfrontiert zu werden. Gesellschaft und Politik konnten in den letzten zwei Jahren sozusagen live die herausragende Rolle der Logistik mitverfolgen. Aber ich wünsche mir eine nachhaltige Wirkung dieses Bewusstseins, denn die Bedeutung von Logistik wird nach der Pandemie noch weiter zunehmen. Nehmen Sie zum Beispiel die gegenwärtige Warenknappheit durch die angespannte Situation der Waren- und Lieferketten. Es wird zukünftig mehr lokale Produktion und Bevorratung zum Beispiel von Medizinprodukten wie Antibiotika geben müssen, um die Versorgungssicherheit aufrecht erhalten zu können und um wirtschaftliche Stabilität zu ermöglichen. Wir sehen gerade, dass viele Automobilhersteller ihre Produktion herunterfahren und Kurzarbeit beantragen müssen wegen fehlender Chips. Da geht es um Ausfälle und Verluste in Milliarden-Höhe. Hinzu kommt der wachsende E-Commerce. Schon jetzt ist Deutschland für Amazon der international zweitwichtigste Markt, das Potenzial für die Zukunft ist immens. Da wird die Logistikimmobilien-Wirtschaft aber auch die Politik gefordert sein, denn der Boom des Onlinehandels ist nur mit der Entwicklung von Logistikfläche zu bewältigen. Laut Analyse von CBRE wird der Onlinehandel in Deutschland bis 2025 über vier Millionen Quadratmeter weitere Logistikfläche benötigen.

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„Rund 80 Prozent unserer Vorhaben entstehen gegenwärtig auf Brownfields.“

Fred-Markus Bohne
Managing Partner bei Panattoni

Welche Lösungen können Projektentwickler liefern, um der hohen Nachfrage entgegenzukommen? Ist Mehrgeschossigkeit für Panattoni eine Option?

Mehrgeschossigkeit ist für mich letztendlich eine Sache der Mathematik. Die Ressource Fläche ist endlich, hinzu kommen die Bestimmungen der Bundesregierung, die Flächenversieglung bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen und danach sukzessive auf Null zu reduzieren. Irgendwann werden wir an einem Punkt sein, in die Höhe bauen zu müssen. Da sind wir aber noch nicht. Zudem stehen Entwicklern eine Vielzahl von Ansätzen und Konzepten zur Verfügung, wie auch die gerade veröffentlichte Logix Publikation „Logistik auf der letzten Meile. Reallabor Stadt“ zeigt, die wir als Sponsor unterstützen. Zur Umsetzung dieser Lösungen braucht es aber Mut zur Innovation. Nehmen Sie zum Beispiel die City Docks, die wir bei Panattoni als Gewerbe- oder Business Parks für eine breite Zielgruppe aus Handel und Produktion in urbanen Lagen mit hervorragender Anbindung entwickeln. Bei den City Docks Berlin Marzahn entwickeln wir ein innovatives Mischkonzept, bei dem erstmalig die beiden Immobilienformen Business- und Logistik Park miteinander vereint werden. Dies eröffnet Ansiedlungsmöglichkeiten für Anbieter intensiverer Logistikdienstleistungen, die über Services aus dem KEP-Bereich (Kurier, Express, Paket) hinausgehen. In diese Richtung müssen wir weiterdenken.

Nachhaltigkeit ist nicht nur im Wirtschafsbereich Logistik angekommen, sondern auch im Logistikimmobilien-Bereich. Welche Rolle spielt das Thema bei Panattoni?

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit hat aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels in der gesamten Branche zugenommen und ist auch bei Panattoni von hoher Relevanz. Eine immer wichtigere Rolle spielen dabei die ESG-Standards, die für Nutzer, Investoren aber auch Kommunen eindeutige und nachvollziehbare Nachhaltigkeitsstandards in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung liefern. Dabei sind für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung von Logistikimmobilien viele Möglichkeiten vorhanden, angefangen bei einer ressourcenschonenden Energie- und Wärmeversorgung, der Gebäudedämmung bis hin zu Umwelt- und Artenschutzmaßnahmen. Bei Panattoni setzten wir zum Beispiel bei den Dachflächen auf die Kombination aus Photovoltaik-Anlagen und Dachbegrünung. Auch völlig neuartigen Ansätzen sind wir aufgeschlossen. In unserem City Dock Kirchheim bei München setzen wir erstmalig die neuartige Luftfilteranlage ‚CityTree‘ des Start-Ups Green City Solutions ein. Die Lösung reduziert die Feinstaubbelastung der Umgebungsluft um fast 50 Prozent und leistet damit einen Beitrag zur Verbesserung der Luft in Städten. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass bei Nachhaltigkeitsmaßnahmen alle Stakeholder mit ins Boot geholt werden. Denn wie bei Ansiedlungsvorhaben im Allgemeinen gilt, dass wir nur gemeinsam und im Dialog zum Erfolg kommen.

Fred-Markus Bohne Der Volljurist und Vater von zwei Kindern (9 und 13) ist seit November 2014 Geschäftsführender Gesellschafter von Panattoni in Deutschland. Bohne verfügt über mehr als 19 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Logistikimmobilien. Seine Erfolgsbilanz im Entwicklungs- und Transaktionssegment liegt bei weit über einer Milliarde Euro. Unter seiner Ägide hat Panattoni 95 Projekte in Deutschland mit einer Gesamtfläche von rund 2,4 Millionen Quadratmetern realisiert.
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